Das ausgebreitete und von Kindern, Lehrer/Innen, Eltern und weiteren Personen gehaltene Schwungtuch soll das Bewusstsein für die wechselseitigen Beziehungen und Verknüpfungen zwischen den derzeitigen Schwerpunkten unseres Schulprogramms verdeutlichen. Alle Elemente in den Abschnitten des Schwungtuches sind Teile des Gesamten und dienen der Umsetzung eines ganzheitlichen Bildungs- und Erziehungsauftrags.

Alle Schwerpunkte gehen von dem im Zentrum des Schwungtuches dargestellten pädagogischen Leitbild des Miteinander leben – lernen – leisten aus. Das Leitbild lässt sich durch folgende Gedanken näher beschreiben:

Miteinander leben – lernen – leisten

bedeutet:

  • Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl aufbauen
  • Kontakt- und Kooperationsfähigkeit entwickeln
  • die Eigenschaften/Merkmale und Leistungen anderer anerkennen
  • zum Lernen und Leisten bereit sein
  • sich über eigene Leistungen freuen
  • eigene Leistungen für die Gruppe/Klasse nutzbar machen

Im Ablauf des Schullebens werden diese Gedanken und Zielsetzungen durch eine Reihe gemeinsam geplanter und durchgeführter Handlungsweisen konkret.

Erziehender Unterricht

In allen Jahrgängen werden im Rahmen des fächerübergreifenden Unterrichts solche Inhalte wie „Rechte der Kinder“, „Kinder fit und stark machen“ erarbeitet. Ebenso führen wir regelmäßig Kontakt- und Wahrnehmungsspiele sowie Entspannungsübungen innerhalb der Unterrichtsstunden durch. Klare, eindeutige Rituale und Strukturen im Ablauf des Unterrichts schaffen eine Rhythmisierung und gehören im Sinne einer Verlässlichkeit ebenso zum erziehenden Unterricht.
Auch der seit dem Schuljahr 2005/2006 eingerichtete jahrgangsübergreifende Förderunterricht steht unter der Leitidee des erziehenden Unterrichts. Hier lernen Kinder der 1. und 2. Klassenstufe jeweils im 2. Schulhalbjahr in zwei Wochenstunden gemeinsam in Gruppen. Der fachliche Rahmen ist gleich; jedoch wird dieser Rahmen je nach den Möglichkeiten der Kinder in unterschiedlichen Ausprägungen und Stufen erarbeitet. Dabei können die Kinder des 2. Jahrgangs denen des 1. Jahrgangs oft helfen, wenn es darum geht, bestimmte Arbeitsformen, die ihnen schon geläufig sind, gemeinsam anzuwenden. Die älteren Kinder wirken so als „Experten“. Dies stärkt ihr Selbstvertrauen, motiviert zu weiterer Leistung und fördert die Kooperationsfähigkeit. Auch die jüngeren Kinder des 1. Jahrgangs arbeiten da, wo es möglich ist, gern mit einem älteren Partnerkind zusammen. Sie fühlen sich angenommen und entwickeln Vertrauen.
Auch der seit dem Schuljahr 2009/2010 eingerichtete jahrgangsübergreifende Projektunterricht für die Klassenstufen 3 und 4 führt durch seine Struktur die grundlegenden Gedanken des erziehenden Unterrichts weiter. Die Kinder lernen hier ebenfalls in zwei wöchentlichen Stunden jahrgangsübergreifend. Ihren Neigungen entsprechend wählen sie Projektangebote aus und wirken bei der Projektausgestaltung mit. Sie präsentieren ihre Ergebnisse im gesamten Schulleben und machen sie nutzbar für andere Kinder. So wird sowohl das individuelle, eigenverantwortliche Lernen als auch das soziale Lernen gefördert.

Schulordnung und Klassenregeln

Vor einigen Jahren entstand unsere Schulordnung, die das Zusammenleben in der Schule regeln hilft. Die Kernaussagen dieser Schulordnung heißen:

  • Wir haben ein Recht auf Unterricht.
  • Wir haben ein Recht auf eine schöne Pause.
  • Wir gehen höflich und rücksichtsvoll miteinander um.
  • Wir sind verantwortlich für das, was wir tun.

Auf der Grundlage dieser vier Kernaussagen entwickelt jede Klasse ihre eigenen Klassenregeln und überprüft in konkreten Situationen immer wieder, ob diese Regeln eingehalten werden und weiterhin sinnvoll sind.

Konfliktlösungen

Bei Konflikten der Kinder untereinander helfen die Lehrer/innen den betroffenen Kindern in der Rolle eines Konfliktlotsen oder Vermittlers. In einem Gespräch, durch das Vorlesen eines geeigneten Kinderbuches oder auch in einem Spiel wird eine Konfliktlösung erarbeitet. Dabei ist es uns wichtig, die Kinder selbst an der Entwicklung einer Vereinbarung zu beteiligen. Auf diese Weise können die Kinder lernen, selbst Stück für Stück Verantwortung für die Lösung eines Konfliktes zu übernehmen anstatt sich nur auf eine Regelung „von außen“ zu verlassen
Vom Schuljahr 2009/2010 an arbeiten Lehrer/Innen und auch die Mitarbeiterinnen des Offenen Ganztags bei Streitschlichtungen und Konfliktlösungen gemeinsam in Anlehnung an das „Bensberger Modell“, welches die oben beschriebenen Vorgehensweisen weiter konkretisiert und in Einzelschritten umsetzt. Unsere bisherigen Erfahrungen damit zeigen, dass die Kinder allmählich das Rüstzeug entwickeln, um Streitigkeiten mehr und mehr unter Beachtung eines „fairen Streitverhaltens“ zu lösen.
Seit dem Schuljahr 2014/2015 haben wir das Bensberger Modell um das Erziehungskonzept „Neue Autorität/ Professionelle Präsenz“ ergänzt, entwickelt von Haim Omer. Der Kerngedanke dieses Konzeptes ist der „gewaltfreie Widerstand“ gegen Unrecht. Grundpfeiler der „Neuen Autorität“ sind eine wachsame Sorge, eine stetige Präsenz der erziehenden Personen und deren Widerstand gegen Aggression und Gewalt; immer wieder aber auch die Möglichkeit der Wiedergutmachung durch das Kind/ die Kinder, von denen Streit, Konflikte, Aggressionen ausgingen. Hier unterscheidet sich das Konzept wesentlich von der „Alten Autorität“, in der das Prinzip der Strafe vertreten war. Lehrerinnen, die Betreuungskräfte des Offenen Ganztags und unsere Schulsozialarbeiterin arbeiten hier eng mit den Eltern zusammen und betrachten in diesem Zusammenhang das Einüben von Beziehungs- und Versöhnungsgesten als wesentliche Aufgabe ihrer Erziehungsarbeit. Der beschriebene Weg wird unterstützt durch das Prinzip der Ermutigung und dient insgesamt der Deeskalation und Prävention.

Prävention

Ausgangspunkt und Zielsetzung von Prävention ist für alle Lehrer/Innen und Mitarbeiterinnen des Offenen Ganztags an der Vels-Heide-Schule, die „Ich-Kompetenz“ jedes Kindes zu stärken und über diesen Weg die Bereitschaft zum „Du“, zum „Miteinander leben – lernen – leisten“ aufzubauen. Daher erachten wir das „Bensberger Modell“ auch für die Prävention als sehr wichtig und hilfreich. Zudem thematisieren die Lehrer/Innen die Entwicklung vom „Ich“ zum „Du“ und zum „Wir“ regelmäßig an geeigneten Inhalten im Unterricht, bewirken damit Empathie und erarbeiten so ein Bewusstsein für ein angemessenes soziales Miteinander. Neben dem normalen Klassenunterricht bieten hierfür besonders die Inhalte des Religionsunterrichts und der im Schuljahr 2016/2017 neu etablierten Ethik-AG Raum.
Ebenso trägt die enge Kooperation der Lehrerinnen und Mitarbeiterinnen/ Mitarbeiter des Offenen Ganztags mit unserer Schulsozialarbeiterin deutlich zur Stärkung der „Ich-Kompetenz“ der Kinder bei. Über diese „Ich-Kompetenz“ wird die Bereitschaft der Kinder gestärkt, auch die Sichtweisen Anderer wahrzunehmen und am sozialen Miteinander zu arbeiten.
Ein weiterer Baustein zur Prävention ist seit dem Schuljahr 1999/2000 das Projekt „Gegen sexuellen Missbrauch bei Jungen und Mädchen“, das mit der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück und mit Unterstützung des Jugendamtes sowie unseres Fördervereins durchgeführt wird. In drei aufeinander folgenden Wochen erleben die Schülerinnen und Schüler des 3. und 4. Jahrgangs jeweils in kleinen Theaterszenen Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung. Sie werden an dieser Stelle für ihre eigenen Rechte sensibilisiert.
Vorab erleben auch die Eltern an einem Elternabend alle Theaterszenen. Das sich daran anschließende Gespräch hat immer wieder deutlich gemacht, dass Schule und Eltern dieses Projekt als eine gemeinsame Verantwortung verstehen und es daher in Kooperation durchführen. Dies gilt auch für die zuvor genannten Projekte, die den Eltern ebenfalls an Elternabenden genau vorgestellt werden.
Über den schulischen Rahmen hinaus findet Prävention im Rahmen der Schulsozialarbeit im gesamten Sozialraum Altenbochum statt; z. B. in der Vernetzung mit den KiTas. Vorträge, Workshops und Projekte zu Themen der Entwicklung und Erziehung von Kindern machen die gemeinsame Verantwortung von Eltern, KiTa und Schule bewusst, stärken die Zusammenarbeit aller Beteiligten und fördern einen gleitenden, harmonischen Übergang von der KiTa in die Schule.

Aus der Zusammenführung aller Maßnahmen ergibt sich für Kinder, Lehrer/Innen und Eltern immer wieder die Grundlage, sich mit „ihrer“ Schule zu identifizieren und die Vels – Heide – Schule als Ort des „Miteinander leben – lernen – leisten“ zu erleben.

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